Hanka stürmte die Steile Wand
20-07-10
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Elf Jahre ist es her, dass Hanka Kupfernagel die Thüringen-Rundfahrt gewann und ein Berg nach ihr benannt wurde. Seitdem ist viel Wasser die Weiße Elster hinuntergeflossen. Olympiasilber, Cross-WM-Titel. WM-Gold mit 33 in Stuttgart schien die Krönung einer großen Laufbahn. Thüringens beste Rennfahrerin aller Zeiten konnte getrost abdanken.
Umso überraschender die gestrige Attacke der Geraerin gleich hinter Altenburg. Ein Auftakt der Thüringen Rundfahrt, mit dem keiner gerechnet hatte und der keiner Rivalin Zeit zum Einrollen ließ. Auf los ging’s los. Angriff nach einer Viertelstunde. Der letzte Versuch der großen alten Dame, und so darf man eine Rennfahrerin mit allem Respekt nennen, die im Alter von 36 Jahren noch einmal eine Weltmeisterschaft erleben will. Australien lockt, an Sydney hat Hanka beste olympische Erinnerungen.
Kupfernagels früher Angriff sprengte das nervöse, aber friedliche Feld. Die Kapitänsfrau im Trikot der Nationalmannschaft nahm mit Lisa Brennauer noch eine 22-jährige BDR-Elevin ins Schlepptau, und dann hatte nur noch ein halbes Dutzend von den insgesamt 86 Fahrerinnen aus 17 Nationen das richtige Näschen dafür, dass sich da schon die Entscheidung der ersten Etappe anbahnen könnte.
So bildete sich schon 20 Kilometer vor der ersten Bergwertung eine sehr gemischte neunköpfige Spitzengruppe, in die sich mit der Vizeweltmeisterin Noemi Cantele aus Italien und der Olympiadritten Emma Johansson vorsichtshalber sogar zwei Favoritinnen auf den Rundfahrtsieg hinein gedrängt hatten.
Als die Kupfernagel nach 36 Kilometern im schnellen Wiegetritt die Steile Wand in Meerane hoch kraxelte, was sie übrigens zum ersten Male überhaupt ta, war sie selbst überrascht, als Erste oben angekommen zu sein. „Von da an dachte ich,“ sagte sie ein wenig abgekämpft im Ziel, „Hanka, heute geht noch was.“
Es ging noch einiges, wenn auch nicht alles. Das Grüne Bergtrikot zum Anfang der Rundfahrt, Tagesrang fünf im irren Endspurt durch die winkligsten Kurven der Skatstadt. So richtig stärker war am Ende eigentlich nur Emma Johansson. „Aber gut“, meinte Hanka hinterher, „dass ich nicht ins Gelbe fahren konnte, da hätte ich mir und dem Team Druck gemacht, dem wir nicht hätten standhalten können.“
Die 26-jährige Schwedin vom Red Sun Cycling Team beherrschte ihre verbliebenen fünf Mitstreiterinnen am Ende klar und sicherte sich mit dem Sieg nach 86,7 Kilometern rund um Altenburg auch das Gelbe Trikot für den Weg rund um Gera. Nach 1:14:59 Stunden verwies die Olympiadritte von Peking die Russin Elena Kucinskaja (Team Gauss) und die Vizeweltmeisterin im Einzelzeitfahren Noemi Cantele mit zwei Sekunden Rückstand auf die Plätze. Die Thüringerin Kupfernagel war immerhin beste Deutsche vor ihrer jüngeren Kollegin Lisa Brennauer und der erfahrenen Sarah Düster, die beide aus Bayern kommen.
Die Jagd hatte ihre Spuren auch hinter den Tagesbesten hinterlassen. Erst 1:31 Minuten später traf die Verfolgerinnen ein, die von der Niederländerin Adrie Visser angeführt wurden. Das war kein Fahrerfeld mehr, sondern eher eine Fahrradkette.
23. Thüringen Rundfahrt Frauen, 1. Etappe, Rund um Altenburg, 86,7 km:
1. Emma Johansson (Schweden/Read Sun) 2:14:59 Stunden, 2. Elena Kucinskaja (Russland/ Team Gauss) + 2 Sekunden, 3. Noemi Cantele (Italien/Team Columbia) gleiche Zeit, 4. Olga Zabelinskaja (Russland/Zafi Pasta) + 3 s, 5. Hanka Kupfernagel (Neustadt/Orla/BDR) gleiche Zeit, 6. Lisa Brennauer (BDR) + 7 s, 7. Sarah Düster (Wangen/ Cervelo Test) + 12 s, 8. Janneke Kanis (Niederlande) + 35 s, 9. Adrie Visser (Niederlande/Columbia) + 1:31 Minuten, 10. Charlotte Becker (Berlin/Cervelo Test) gleiche Zeit.
Sprintwertung: 1. Hanka Kupfernagel 5, 2. Sarah Düster 5, 3. Emma Johansson 3.
Bergwertung: 1. Kupfernagel 7, 2. Kucinskaja 6, 3. Düster 2.
Nachwuchswertung: 1. Lisa Brennauer (BDR).
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