Spannendes Rundfahrtfinale mit Schaufahren am Schicksalsberg

25-07-10


Olga Zabelinskaja Gesamtsiegerin der 23. Thüringen-Rundfahrt vor Edita Pucinskaite und Noemi Cantele- Holländerin Slappendel gewinnt Königsetappe in Zeulenroda

Zwei Trikots für die Thüringerin Hanka Kupfernagel - Tageszweite Trixi Worrack fährt noch auf Rang 6

Am Ende wurde es noch heiß. Dreimal lauerte der Hankaberg mit giftigen 16 Prozent auf die 58 Fahrerinnen, die hitzige fünf Tage überstanden hatten. Doch die Dunkelblonde im schwarzen Trikot, nach der der Hügel benannt wurde, ließ am Schicksalsberg der Rundfahrt ebenso wenig etwas anbrennen wie die Blondine mit dem gelben Hemd.

Während Hanka Kupfernagel beim letzten Anstieg zum Dörtendorfer Berg in einer fünfköpfigen Spitzengruppe ein wahres Schaufahren vor über tausend Fans zelebrierte, konnte sich Olga Zabelinskaja aus St. Petersburg trotz ihres Minutenrückstandes schon sicher sein, die 23. Internationale Thüringen Rundfahrt gewonnen zu haben. Die 30-jährige Kapitänsfrau vom italienischen Profiteam Safi Pasta Zara, die bereits auf der 2. Etappe das Gelbe Trikot erobert hatte, war auch auf der abschließenden schweren Königsetappe am Sonntag nicht mehr vom Thron der Spitzenreiterin zu stoßen.

Nach 620 Kilometern und einer Fahrzeit von 16:47:20 Stunden beendete die russische Meisterin das strapaziöse Sechstagerennen in Zeulenroda mit drei Minuten Vorsprung vor Exweltmeisterin Edita Pucinskaite aus Litauen und der italienischen Vizeweltmeisterin Noemi Cantele.

Dass die in Gera geborene und aus Neustadt/Orla stammende Kupfernagel trotz ihrer 36 Lenze zu den Hauptdarstellerinnen des knapp siebzehnstündigen Rennfilmes zählen würde, gehörte zu den positiven Überraschungen aus deutscher Sicht. Zur Freude von Thüringens radelnder Sportministerin Heike Taubert, die ihr übrigens am Hankaberg zujubelte, sammelte die Olympiazweite von Sydney im BDR-Trikot mit ihrem Sieg im Einzelzeitfahren und dem Gewinn der Sonderwertungen für die Sprintbeste und die Aktivste Fahrerin bei Bundestrainer Thomas Liese mit Abstand die meisten Bonuspunkte für ein Flugticket zur Weltmeisterschaft, die Ende September im australischen Geelong beginnt.

Mit der 22-jährigen Allgäuerin Lisa Brennauer hatte die Thüringerin fast täglich eine ehrgeizige Teamkollegin an ihrer Seite, die mit dem Gewinn der Nachwuchswertung ebenso neue Hoffnungen weckte wie die Jenaerin Luise Keller, die am Ende auf Rang 11 fuhr.

Als letzte Tagessiegerin ließ sich eine fliegende Holländerin feiern. Die 25 Jahre alte Niederländerin Iris Slappendel vom Cervelo Test-Team gewann die 134,5 km lange Königsetappe rund um Zeulenroda nach 3:50:26 Stunden als Solistin auf der Schlussrunde. Mit einem Rückstand von 1:34 Minuten führte die Cottbusserin Trixi Worrack eine fünfköpfige Verfolgergruppe vor der Niederländerin Andrea Bosman und Hanka Kupfernagel ins Ziel.

Von den 86 am Dienstag in Altenburg gestarteten Fahrerinnen aus 17 Ländern erreichten am Sonntag noch 57 das Ziel in Zeulenroda.

6. Etappe, Rund um Zeulenroda, 134,5 km: 1. Iris Slappendel (Niederlande/Cervelo Test) 3:50:26 Stunden, 2. Trixi Worrack (Cottbus/Noris) + 1:34 Minuten, 3. Andrea Bosman (Niederlande) + 1:34, 4. Hanka Kupfernagel (Gera/BDR) + 1:36, 5. Petra Dijkman (Belgien/Red Sun) + 1:36, 6. Lisa Brennauer (Freiburg/BDR) + 1:36, 7. Luise Keller (Jena/Columbia Highroad) + 1:43, 8. Martina Bastianelli (Italien/Fenixs) + 2:26, 9. Adrie Visser (Niederlande/ Columbia), 10. Vena Koedoodor (Niederlande) beide gleiche Zeit.

Gesamteinzelwertung nach 620 km: 1. Olga Zabelinskaja (Russland/Zafi Pasta) 16:54:22 Stunden, 2. Edita Pucinskaite (Litauen/Team Gauss RDZ) + 2:56 Minuten, 3. Noemi Cantele (Italien/Columbia Highroad) + 3:02, 4. Irene van den Broek (Niederlande) + 3:38, 5. Elena Kuchinskaja (Russland/ Team Gauss) + 3:53, 6. Trixi Worrack (Cottbus/Noris Cycling) + 6:48, 7. Marta Bastianelli (Italien/Fenixs) + 7:19, 8. Iris Slappendel (Niederlande/Cervelo Test) + 7:48, g) + 7:46, 9. Petra Dijkman (Niederlande/Red Sun) 8:49, 10. Adrie Visser (Niederlande/Columbia) 9:08, 11. Luise Keller (Jena/Columbia) + 9:31, …15. Birgit Söllner (Team Jenatech/Spanner) + 12:55, … 49. Beate Zanner (Gera/Team Haibike) + 1:18:05 Stunden.


Sprintwertung: 1. Hanka Kupfernagel 25, 2. Sarah Düster 13, 3. Elena Kuchinskaja (Russland) 12.

Bergwertung: 1. Irene van den Broek (Niederlande) 33, 2. Luise Keller (Jena) 22, 3. Elena Kuchinskaja 21, 4. Hanka Kupfernagel 19.

Aktivste Fahrerin: 1. Hanka Kupfernagel 7, 2. Olga Zabelinskaja 4, 3. Iris Slappendel (Niederlande) 3.

Nachwuchswertung: 1. Lisa Brennauer (Durach/Allgäu).


Gillett-Ehrenpreis an Ukrainerin

Mit dem Fair play Pokal, der dem Gedenken an die 2005 bei Zeulenroda tödlich verunglückte Australierin Amy Gillett gewidmet ist, ehrte Thüringens Ministerien für Gesundheit, Soziales und Sport, Heike Taubert, am Ende der 23. Thüringen Rundfahrt Olena Sharga. Die 23-jährige Ukrainerin war nach einem schweren Sturz auf der 3. Etappe nicht, wie von den Rennärzten empfohlen, in den Schlusswagen gestiegen, sondern hatte sich bis zum Ziel in Greiz und schließlich sogar bis nach Zeulenroda durchgekämpft.


Miss Peleton aus den Niederlanden

Nach längerer Pause wurde bei der Thüringen Rundfahrt erstmals wieder eine Miss Peloton gekürt. „Wir hatten die absolute Qual der Wahl“, gestand Preisstifter Mike Wündsch von der Thüringer Sportmarketing GmbH, „und am Ende acht Kandidatinnen aus sieben Ländern in der engeren Auswahl. So haben wir uns letztlich entschieden, drei Ehrenpreise zu vergeben“.

Die Wahl zur Nummer 1 fiel auf die Startnummer 106:
Anne de Wildte aus den Niederlanden ist 20 Jahre jung, fährt für das holländische Nationalteam und belegt in der Gesamtwertung Rang 22

Die Ehrenplätze belegten die 20-jährige Theres Klein vom deutschen Team Haibike Rügen Sachsen und die 27-jährige Kanadierin Alison Testroete vom Team Nanoblur-Gears.


Stimmen und Meinungen

Claudine Conter, Luxemburg, UCI-Kommissärin

Ich bin zum ersten Mal bei einer Rundfahrt im Osten Deutschlands, und ich muss sagen, dass meine hohen Erwartungen noch übertroffen wurde. Die Thüringen Rundfahrt ist ihrem Ruf gerecht geworden, eine der besten Frauenradrennen der Welt zu sein. Zur guten Organisation hat mir die freundliche Atmosphäre in den Etappenstädten gefallen. Das ist gut für den Frauenradsport. Ich komme gern wieder.

Heike Taubert, Ministerin für Gesundheit, Soziales und Sport des Landes Thüringen

Eine großartige Rundfahrt mit einer perfekten Organisation, tollem Sport und guter Stimmung. Die Ostthüringer haben diese Fahrt in ihre Herz geschlossen. Besonders beeindruckt war ich von Hanka Kupfernagel, die ein echtes Vorbild für die jungen Radsportlerinnen ist. Wie die vor ihren vielen Fans den Dörtendorfer Berg hinaufgestiefelt ist, das war schon beeindruckend. Wenn es nur irgendwie geht, werden wir diese Rundfahrt auch im nächsten Jahr unterstützen.
Meine Anerkennung gilt allen Organisatoren und den vielen Helfern um Rundfahrtleiterin Vera Hohlfeld und die Sportliche Leiterin Franziska Rippin. Und nicht zuletzt auch der Thüringer Polizei, die mit ihrem Einsatz dazu beigetragen hat, dass die Rundfahrt gut und sicher von Anfang bis Ende rollen konnte.


Olga Zabelinskaja, Gesamtsiegerin aus St. Petersburg

Ich bin überglücklich. Am Start in Altenburg hätte ich nie gedacht, dass ich diese Rundfahrt gewinnen könnte. Das war der größte Erfolg meiner sportlichen Laufbahn. Besonders beeindruckt hat mich die perfekte Organisation und die Begeisterung der Menschen an der Strecke und in den Etappenstädten.


Vera Hohlfeld, Gesamtleiterin der Thüringen Rundfahrt

Ein bisschen Lampenfieber hatte ich vor meinem Debüt als Rundfahrtchefin schon, denn es ist doch ein großer Unterschied, ob man nur Verantwortung für den sportlichen Bereich oder aber für alle großen und kleinen Dinge einer sechstägigen Veranstaltung trägt. Aber dank der Unterstützung aller Mitstreiter vor und hinter den Kulissen hat alles geklappt. Nun ich froh, dass wir alle zusammen eine sportlich hochwertige und organisatorisch gute Rundfahrt hingelegt haben. Dafür möchte ich allen Mitstreitern und Helfern danken und natürlich auch den tollen Zuschauern in den Etappenstädten. Ein großes Kompliment an die Thüringer Polizei.


Franziska Rippin, Sportliche Leiterin

Angst vor meinem Debüt hatte ich nicht. Und sie wäre bei dem tollen Teamwork auch gar nicht angebracht gewesen. Mit dem sportlichen Verlauf können wir sehr zufrieden sein, und ich habe mich auch über viele Komplimente von den Teams und zustimmende E-Mails von Radsportfans gefreut.


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